Von einem „Recht auf Homeoffice“ hält Christoph Magnussen wenig. Dem digitalen Unternehmensberater wäre es lieber, wenn Firmen von sich aus den Erfolg neuer Arbeitsweisen erkennen würden. Der Vorreiter in Sachen „New Work“ hat auch Tipps parat, die trotz ständiger Erreichbarkeit Freiräume ermöglichen.

Christoph Magnussen ist von Berufung Filmemacher, von Beruf aber Unternehmer. In der ersten Firma, die er nach seinem Studium im schweizerischen St. Gallen gründete, setzte er massiv auf Online-Tools, um die Zusammenarbeit zu verbessern und die Produktivität zu steigern, sowie Methoden aus dem Bereich „New Work“ – eine Blaupause für seine 2012 gestartete Unternehmensberatung „Blackboat“, die Firmen bei der Umsetzung digitaler Arbeitsweisen unterstützt. Zusätzlich betreibt Magnussen einen Podcast rund um „New Work“ und veröffentlicht mehrmals in der Woche Videos auf seinem YouTube-Kanal. Wir sprachen mit Ihm darüber, wie Unternehmen Ihre Arbeitsweisen modernisieren können.

Angesichts von Coronakrise und Lockdown diskutiert die Politik aktuell über Gesetzesänderungen, die ein „Recht auf Homeoffice“ einführen würden. Für Sie als Vorreiter für mobiles Arbeiten und „New Work“: Wäre dies ein erfolgversprechender Weg, um die Modernisierung von Unternehmen voranzutreiben?

Christoph Magnussen: Wir neigen in Deutschland dazu, immer mit dem Finger auf die Politik zu zeigen und zu sagen: So etwas muss zentral geregelt werden. Ich halte ein „Recht auf Homeoffice“ für nicht besonders sinnvoll, weil es dann nur wieder Streitfälle geben würde. Es kann auch nicht jeder Job von zu Hause aus gemacht werden. Politik ist für mich dazu da, um Leitplanken zu setzen, aber nicht, um Regelungen einzuführen, die Angelegenheit von Firmen sind. Ich würde mir wünschen, dass Unternehmen von alleine realisieren, wie erfolgreich Homeoffice im Corona-Lockdown war, und erkennen, wann es eine sinnvolle Arbeitsform ist – wann aber auch das Büro ein geeigneter Platz ist, nämlich als notwendiges Tool für die Kommunikation. Es gewinnt an Bedeutung, und zwar in der Wertigkeit, nicht in der Frequenz. Wir müssen eben nicht mehr unbedingt „nine to five“ vor Ort sein.

Geht es bei der Einführung von mobilen Arbeitsweisen vor allem darum, den Mitarbeitern mehr Freiheit zu ermöglichen?

Magnussen: Freiheit ist vor allem eines meiner Leitmotive, ganz persönlich. Das bringe ich als Gründer auch bei meiner Unternehmensberatung „Blackboat“ mit ein. Mobiles Arbeiten hat per se erst mal nichts mit Freiheit zu tun. Es geht darum, unabhängig zu sein von Arbeitsort und Arbeitszeit, aber auch von Kollegen, die zum Beispiel vergessen haben, etwas abzulegen. Es gilt die Regel: Mobiles Arbeiten macht mich freier, solange ich durch meine Freiheit nicht die Freiheit des anderen beschränke.

Wenn ich sage: „Heute bin ich mobil unterwegs“, ich aber eigentlich im Büro gebraucht werde, muss ich mich fragen: „Beschränke ich damit die Freiheit eines anderen?“ Es geht also nicht um „mobil Arbeiten – ja oder nein?“, sondern es geht darum, was macht das mit der Freiheit des anderen, seine Arbeit ebenfalls umzusetzen.

Der Preis dieser Freiheit kann ständige Erreichbarkeit sein. Wie überzeugen Sie die Mitarbeiter eines Unternehmens im Wandel, das Sie beraten, diesen Weg mitzugehen?

Magnussen: Für manche ist es unausweichlich, ständig erreichbar zu sein, weil es in ihrem Job Notfälle geben kann. Andernfalls empfehle ich, die Erreichbarkeit aktiv zu managen. Wenn ich meine Kinder betreue und einen Termin wahrnehmen muss, und niemand kann auf sie aufpassen, bin ich natürlich erreichbar. Ansonsten schalte ich jegliche Form von Benachrichtigung aus, lese meine E-Mails nur sehr, sehr punktuell und telefoniere auch nur selten.

Letztlich ist das eine Entscheidung, die jeder selbst zu treffen hat. Helfen kann dabei die „Zwei Mal anrufen“-Regel: Rufe mich zwei Mal an, dann schaltet das Telefon in einen aktiven Modus, ich sehe den Anruf und nehme ihn auch an. Ansonsten rufe ich später zurück. Ganz klar: Freiheit geht ohne ständige Erreichbarkeit oder ist vielleicht sogar nur ohne ständige Erreichbarkeit möglich.

Wie lernt man, „Lust am Ausprobieren“ zu bekommen – und was können Führungskräfte tun, um ihren Mitarbeitern „New Work“ schmackhaft zu machen?

Magnussen: Wer der das Gefühl hat, mit seinem Leben nicht zufrieden zu sein, sollte sich die Frage stellen, was den Menschen im Kern ausmacht. Meiner Überzeugung nach haben wir es in uns drin, dass wir wachsen wollen. Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir klein. Irgendwann hören wir auf, körperlich zu wachsen. Aber wir haben die Chance, geistig weiter zu wachsen. Das macht Freude!

Wer das für sich nicht erkannt hat, darf gerne weiter Trübsal blasen. Wer aber verstanden hat, dass das funktioniert, sollte sich mit so wunderbaren Themen wie „New Work“ auseinandersetzen. Und sich überlegen, wie er als Führungskraft weiter wachsen kann, um etwas an das Unternehmen und die Mitarbeiter zurückzugeben. Denn wir sollten uns alle nicht fragen: „Was kann die Arbeit uns geben?“, sondern „Was können wir der Arbeit geben?“ Das macht sehr viel zufriedener.

Viele Unternehmen sprechen von New Work und Digitalisierung. Zugleich zeigen Untersuchungen, dass für die für mobiles Arbeiten notwendige Infrastruktur fehlt. Wie erklären Sie sich diese offenbar weit verbreiteten Beharrungskräfte – wird das Konzept von „New Work“ häufig missverstanden?

Magnussen: (Holt einen fast leeren Papierkorb unter dem Schreibtisch hervor.) Tatsächlich nutze auch ich Papier. Ich drucke manchmal sogar Fotos aus! Für mich haben Papier, digital und „New Work“ eher indirekt miteinander zu tun. Früher hat die Elektrifizierung ganze Branchen umgewälzt, in bestimmten Berufen mache ich aber immer noch Dinge per Hand. Bei der Digitalisierung ist es ähnlich. Es muss nicht immer alles digital werden. Aber: Alle Prozesse und auch Geschäftsmodelle sind vom Digitalen beeinflusst. Und die Digitalisierung bietet die Tools, um Arbeit anders zu organisieren.

Wenn die Mitarbeiter also darunter leiden, dass sie Papierdokumente einsetzen, sollte man sich fragen: „Wie kann man die Arbeit anders organisieren?“, um dann zu „New Work“ zu kommen mithilfe digitaler Tools. Dieses Zusammenspiel wird häufig missverstanden. „New Work“ ist eine Arbeit, die Mitarbeiter stärkt, statt sie zu schwächen. Und zwar eine Arbeit, die Menschen wirklich, wirklich machen wollen. Da ist jeder selbst gefragt. Digitalisierung passiert, von außen – ein technischer Trend, den wir nicht aufhalten können. Er wird jedes Unternehmen irgendwann erfassen. Für mich gilt der Satz: „Sense will always make sense, nonsense will always be nonsense.“ Wenn es Quatsch ist, etwas auszudrucken, dann bleibt das auch Quatsch.

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